Führung trifft Boxen – “Diese unfähigen, faulen und unmotivierten Mitarbeiter”- “Ja, und wer hat die Mitarbeiter eingestellt?”

Auf Veranstaltungen gibt es nicht wenige Führungskräfte, die sich hinter vorgehaltene Hand über unfähige, faule und unmotivierte Mitarbeiter aufregen und über sie lästern – oder sagen wir lieber austauschen.

Wenn ich solche Gespräche mitbekomme, dann höre ich gerne zu und stelle irgendwann die Frage: „Wer hat denn diese unfähigen, faulen und unmotivierten Mitarbeiter eingestellt?“

Dann ist erstmal Ruhe.

Ich sehe das so:

  1. Wenn es angebracht erscheint, sich über fehlende Motivation und mangelhaftes Engagement seiner Mitarbeiter zu beklagen, dann ist es auch sinnvoll, den Einstellungsprozess und internen Einstellungskriterien zu hinterfragen.
  2. Motivation ist kein Dauerzustand. Sie ist Schwankungen unterworfen und von vielen Faktoren abhängig. Das sind körperliche und psychische Faktoren, das soziale Umfeld spielt ebenso eine Rolle. Und der zeitliche Aspekt muss dabei auch noch berücksichtigt werden – sowohl auf einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein ganzes Jahr bezogen.

Kurzum: Die Motivation der Mitarbeiter ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit mit vielen Variablen. Es gibt auch kein Patentrezept, das für jeden Menschen oder für jedes Team gleichermaßen gilt. Das muss selbst erarbeitet werden, beispielsweise während eines Box-Coachings für Teams.

Die Humanontogenetik beschäftigt sich mit der Entwicklung von Menschen. Es werden Fragen wie diese untersucht:

  • Wie lässt sich Entwicklung beschleunigen oder verlangsamen?
  • Welche Voraussetzungen müssen für eine (bestimmte) Entwicklung erfüllt sein?
  • Woran ist erkennbar, dass eine Entwicklungsstufe abgeschlossen ist?
  • Wie lassen sich Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich jeder Mitarbeiter gemäß seiner Möglichkeiten entfalten kann?

Wer sich selbst und andere noch besser verstehen will, sollte sich mit dieser Wissenschaft ruhig auseinandersetzen. Das lohnt sich! Oder Sie kontaktieren mich. Das geht schneller.

Der Mitarbeiter als biopsychosoziale Einheit

In der Humanontogenetik wird der Mensch als biopsychosoziale Einheit gesehen. Das ist der Ausdruck einer neuen Sichtweise auf die Entwicklung von Menschen. Ich möchte das an dieser Stelle nur anreißen und in Bezug zur Einleitung bringen.

Diese biopsychosoziale Einheit setzt sich aus drei Elementen zusammen:

  • die körperliche Konstitution
    (Größe, Gewicht, Geschlecht, Alter, Hormonhaushalt, etc.),
  • das psychische Innenleben
    (Ziele, Träume, Wünsche, Sorgen, Nöte, Probleme, Talente, Stärken, Schwächen, Erfahrungen, Werte, Wahrnehmungsfilter etc.) sowie
  • soziale Rahmenbedingungen, unter denen der Menschen aufgewachsen ist und sich momentan befindet.

Auf den Punkt gebracht ist der Mensch ein Produkt aus Charakter, Milieu und Erfahrung.

Diese Faktoren haben allesamt Einfluss auf die Motivation des Menschen. Ziel muss sein, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass jeder Mensch motiviert bleibt und sich seinen Möglichkeiten gemäß entfalten kann. Das erfordert allerdings, sich mit dem Menschen zu beschäftigen, gilt es doch herauszufinden, wie er tickt.

Wer andere noch besser verstehen will, der darf bei sich anfangen

Das ist gar nicht so schwer, wie es scheint. Gehen Sie raus aus dem Alltag. Nehmen Sie sich zum Beispiel dreimal im Jahr regelmäßig für einen Tag oder gerne auch zwei Tage eine Auszeit, um sich selbst zu hinterfragen. Vor allem gerade dann, wenn Sie meinen, keine Zeit dafür zu haben. Kommen Sie zur Ruhe, tanken Sie auf und reflektieren Sie.

  • Wer bin ich und wer nicht, was zeichnet mich aus?
  • Wer möchte ich gerne sein und warum?
  • Wie sehen mich andere, Freunde, Bekannte, Kollegen?
  • Was motiviert mich und was nicht?
  • Was ist mir wichtig, was nicht?
  • Was kann ich, was kann ich nicht?
  • Was will ich? Was will ich nicht?
  • Welche Talente habe ich?
  • Welche Erfolge hatte ich und welche Misserfolge?
  • Worauf bin ich stolz, worauf nicht?
  • Was würde ich gerne ändern, wenn ich könnte?
  • Was waren große Herausforderungen?
  • Welche Träume habe ich?
  • Welche Ziele habe ich?

Sie werden feststellen, dass die Antworten organisch sind und je nach aktueller Situation variieren können. Deshalb lautet meine Empfehlung, sich regelmäßig Zeit zu nehmen, um all diese Fragen zu klären. Was Sie davon haben? Sie profitieren von mehr Klarheit.

Klarheit gibt Kraft, Selbstvertrauen und Stärke.

Beruflich Dienst nach Vorschrift, privat Superheld

Wenn Sie damit beginnen, erst einmal sich selber besser kennenzulernen, wird das die Wahrnehmung bezüglich Ihrer Mitarbeiter verändern. Sie stellen vielleicht fest, dass manche Mitarbeiter mehr können als sie auf der Arbeit (bereit sind zu) zeigen.

Vielleicht engagieren sich die Mitarbeiter ehrenamtlich, übernehmen Führungspositionen in Sport- und/oder Musikvereinen, leiten Schauspielkurse oder betreiben leidenschaftlich ein Hobby, in dem sie aufgehen.

Dabei handelt es sich immer noch um den gleichen Menschen, der Stunden vorher eine ziemlich ruhige Kugel auf der Arbeit geschoben hat. Hier macht er nur Dienst nach Vorschrift, mutiert aber nach Feierabend zum Superhelden.

Wenn Sie das feststellen, werden Sie unbedingt neugierig. Warten Sie nicht auf das Jahresgespräch, sondern ergreifen Sie sofort die Initiative. Sprechen Sie mit Ihrem(n) Mitarbeiter(n).

Fragen Sie sich: Wieso engagiert er sich so stark in der Freizeit, aber nicht hier im Job?

Das muss doch einen Grund haben!

Fragen Sie sich dann weiter: Wie müssen die Bedingungen gestaltet werden, damit er sich auf der Arbeit auch so stark einbringen will – und zwar freiwillig?

Vielleicht erzählt er Ihnen die Gründe, vielleicht auch nicht. Das hängt stark von Ihrer Beziehung zu den Mitarbeiten ab. Und wenn Sie über die Mitarbeiter denken, sie seien unfähig, faul und unmotiviert, dann dürfen Sie sich auch nicht wundern, dass Ihnen ihre Mitarbeiter auch nicht die wahren Beweggründe erzähen und nur Dienst nach Vorschrift machen.

Fazit

Wenn Sie sich das nächste Mal über unfähige, faule und unmotivierte Mitarbeiten aufregen wollen, dann fragen Sie sich zunächst einmal, wer diese Menschen eingestellt hat. Und wahrscheinlich sind Ihre Mitarbeiter nicht so faul wie Sie glauben. Ich konnte in den Team-Workshops schon öfter erleben, dass ein und dieselbe Person, die auf der Arbeit nur Dienst nach Vorschrift macht, sich für etwas in der Freizeit den Allerwertesten aufreißt.

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Bilder zu dem Artikel Führung trifft Boxen: ©privat

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