Bildung macht brutal sexy

Einmal angenommen, 100 Menschen wird die Frage gestellt, was sie unter Bildung verstehen. 90 Prozent der Befragten werden sinngemäß antworten: „Schule und das Auswendiglernen von Zahlen, Daten und Fakten“. Nicht gerade aufregend und sexy, oder? Eher langweilig und stumpf.

Bei Amazon finden Sie unter dem Stichwort „Bildung“ zahlreiche Bücher, die genau darauf abzielen. Es geht in den Büchern um Allgemeinbildung und noch mehr um Zahlen, Daten und Fakten. Damit ich nicht missverstanden werde: Ich halte solche Bücher durchaus für sinnvoll.

Dennoch ist Bildung mehr als nur das Auswendiglernen von Zahlen, Daten und Fakten. Zu dieser Erkenntnis bin ich auch erst in den letzten Jahren gekommen, weil ich mich mit dem Begriff der Bildung intensiver auseinandergesetzt habe.

Schnell fällt im Zusammenhang mit Bildung der Name Wilhelm von Humboldt. Der verstand unter Bildung – mit meinen Worten ausgedrückt – ein „sich Erfahren an der Welt“. Noch einfacher: Es geht darum, Erfahrungen zu machen, nicht so viel Angst vor dem Unbekannten haben, sondern auf alles mit offenen Augen, Armen und vor allem mit offenem Herzen zuzugehen. Es geht darum, Konflikte zu erfahren und zu lösen, mit Problemen konfrontiert zu werden und daran zuwachsen, und darum zu erfahren,wer man ist, was man kann und was einen begeistert.

Wenn Sie sich mit etwas beschäftigen, führt das dazu, dass Sie Zahlen, Daten und Fakten ganz nebenbei lernen. Es wird nebensächlich, wenn Sie mit Hingabe, Leidenschaft und Begeisterung an ein Thema herangehen.

Bildung trifft Boxen – Persönlichkeitsbildung statt Zwangspädagogik

Wir lernen unser ganzes Leben lang, ob wir wollen oder nicht. Haben Sie sich schon mal in der Medienlandschaft umgesehen und sich den Bereich „lebenslänglich lernen“ einmal genauer anschaut?

Dann haben Sie möglicherweise auch den Eindruck bekommen, dass Lernen ein Muss ist, eine lästige Pflicht. Das mutet an wie Bestrafung, Einsitzen im Knast. Mit Freude am Lernen hat das nichts zu tun – aber genau das sollte es im Grunde genommen sein.

Eine Mehrheit der Menschen hält Lernen für reine Zeitverschwendung. In der Aus- und Weiterbildung wird gelernt, um Zertifikate und Abschlüsse zu erreichen. Doch fast immer fehlen Zeit, Aufmerksamkeit und Muße, sich mit den Themen intensiv zu beschäftigen.

Diese Erfahrung habe ich in meinem Maschinenbau-Studium machen müssen. Da musste ich einfach Prioritäten setzen. Was hätte es mir gebracht, wenn ich mich intensiv mit einem Fach auseinandergesetzt und die anderen zehn völlig vernachlässigt hätte?

Eine Prüfung hätte ich bestanden, durch die anderen zehn wäre ich durchgerasselt. Im schlimmsten Falle hätte ich das Studium nicht gepackt und abbrechen müssen. Also blieb mir gar nichts anderes übrig als zu lernen, wie ich Prioritäten setze.

Im Alltag genießen wir das unglaubliche Privileg, alles lernen zu dürfen, was wir wollen. Und auch die Zeit haben wir dafür. Leider haben wir aber durch die Schulzeit und ebenso während der Aus- und Weiterbildung oder im Studium schlechte Erfahrungen mit dem Lernen gemacht. Das hat uns geprägt und vergessen lassen, das Lernen etwas ganz Natürliches ist, das uns unser ganzes Leben begleitet.

Deshalb möchte ich Sie dazu ermutigen, sich zu öffnen, zu lernen und zu reflektieren und sich weiterzubilden. Probieren Sie sich aus und gehen Sie ganz neue Wege. Es spielt keine Rolle, ob Sie eine neue Sprache, eine andere Sportart erlernen oder sich beruflich verändern möchten.

Sie werden erfahren, wie viel Spaß es macht, seine eigenen Grenzen zu erkennen und auszuloten. Das entspannt, weil Sie im Laufe der Zeit bemerken werden, welche Leidenschaften, Ziele, Träume und Wünsche in einem stecken. Und die lassen sich ausbauen, wenn Sie es möchten.

Lernschmerz geht, Lernerfolg bleibt

Machen wir uns nichts vor. Lernen ist am Anfang müßig, zuweilen auch anstrengend und tut weh; unter anderem auch deshalb, weil die Fortschritte – vor allem in der Anfangsphase – meist überschaubar sind. Das ist normal. In unserem Gehirn müssen die ersten Fäden unseres Wissensnetzes gesponnen werden.

Aber je öfter Themen wiederholt werden, umso besser und größer wird dieses Wissensnetz. Die Parameter Ausdauer und Wiederholung führen genauso wie beim Sport zu den gewünschten Ergebnissen.

Beschäftigen Sie sich mit Lerntechniken und SpeedReading. Es gibt mehr als einfach nur den Inhalt 1:1 abzuschreiben. Diese Methode führt zu Frust, Sehnenscheiden-Entzündungen und der „gelernte Stoff“ wird nicht nachhaltig gespeichert. Deshalb ist es mir bis heute ein Rätsel, warum wir Lerntechniken nicht schon in der Schule beigebracht bekommen.

Fazit

Je mehr Sie lernen, desto größter wird Ihr Erfahrungsschatz. Ihr Selbstvertrauen steigt, weil Sie in der Lage sind, aufkommende Probleme zu lösen. Sie entwickeln geistige Flexibilität, Kreativität und eine Problemlöse-Kompetenz – und auf die kommt es in Zukunft an.

Eine kleine Frage an Sie: Welche Person finden Sie attraktiver? Jemanden, der sich über Probleme aufregt und jammert oder derjenige, der sagt: Entweder wir finden eine Lösung oder wir erfinden eine Lösung. Es gibt für jedes Problem eine Lösung!

Wir werden in den kommenden Jahren durch die Digitalisierung Umbrüche erleben, deren Ausmaße wir heute nur erahnen können. Eines aber bleibt: Es wird auch in Zukunft immer wieder Probleme geben, die gelöst werden müssen. Und dafür brauchen wir körperlich fitte und geistig flexible Menschen – Menschen wie Sie!

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Bild: ©privat

1 Antwort
  1. Stefan Bode sagt:

    Hallo Christoph,
    Lerntechniken in der Schule beibringen ist ein Ansatzpunkt, oder natürlich das aktive, spielerisch einbinden der Kinder in den zu lernenden Stoff. Das erhöht den Spaßfaktor und dadurch auch die Lerneffizienz.
    Vieles gelernte gibt anfänglich keinen Sinn weil es schlecht vermittelt wird. Erst wenn meist später die Verknüpfung über verschiedene Bereiche erfolgt, dann wird alles ein bisschen klarer und auch verständlicher. War bei mir beim Abi in Mathe z.B. die 2 und 3 Ableitung herzuleiten. Für was? Hätte doch gleich sagen können, das dies gebraucht wird um den optimalen Verbrauch eines begrenzten Gutes errechnen zu können z.B. eines Stofftuches und wie viele Bälle von Größe X ich da max. heraus schneiden kann.
    Gruß aus Hannover
    Stefan
    P.S.
    Die Veränderungen in den nächsten Jahren werden nicht nur im technischen Bereich sehr groß sein, sondern werden uns viel früher als den meisten lieb sein wird, aus einem anderen Sektor einholen.

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