Wann wird Herzblut belohnt?

Aufgeben oder durchboxen?

Kennen Sie dieses unglaubliche Gefühl, eine Vision, ein Ziel oder etwas anderes zu haben, an das Sie ganz fest glauben und das Sie unbedingt erreichen möchten?

Schön, etwas zu haben, wofür unser Herz in Flammen steht, das Leidenschaft und Kampfgeist in uns weckt – Gänsehaut pur!

Doch bei aller Euphorie müssen wir aufpassen, dass wir „auf dem Teppich“ bleiben und Entscheidungen nicht ausschließlich auf Basis starker Impulse treffen. Sonst geht der Schuss nach hinten los – Begeisterung kann dann schnell in Enttäuschung oder gar Verzweiflung umschlagen – also in negative Energie, die so doch nie gewünscht war.

Herzblut macht blind

Es ist wie in der Liebe: Vor allem zu Anfang einer Beziehung haben wir einen verklärten Blick durch die rosarote Brille; sehen Vieles so, wie wir es sehen wollen und nicht wie es tatsächlich ist. So etwas kann auch schief gehen – und jeder von uns hat dieses niederschmetternde Gefühl sicherlich schon (mehr als) einmal erlebt.

Das kann uns nicht nur in Herzensangelegenheiten, sondern auch in anderen Lebenslagen passieren – und uns völlig aus der Bahn werfen. Wer sich voll und ganz auf ein Thema einlässt, trifft oftmals Entscheidungen, die direkt „aus dem Bauch“ kommen, aber kaum reflektiert und meist auch nicht wirklich konsequent durchdacht wurden; von etwaigen Folgen, die diese Entscheidung nach sich ziehen kann, ganz zu schweigen. Allerdings ist es auch verdammt schwer, von „richtig“ oder „falsch“ zu sprechen, wenn es um Herzblut und Leidenschaft geht.

Emotionalität ist eine Komponente, warum falsche Entscheidungen getroffen werden; selbstgemachter Zeitdruck eine zweite, nicht minder schwerwiegende; vor allem dann, wenn noch Ungeduld mit ins Spiel kommt.

Dazu ein Beispiel: Haben Sie auch schon einmal ein Produkt gekauft, weil Sie es unbedingt haben wollten? Sie setzen sich so unter Druck, dass Sie gar nicht darüber nachdenken, ob die favorisierte günstigere Variante tatsächlich die ist, die Sie letztendlich wollen und mit der Sie am Ende auch zufrieden sind.

Wir entscheiden uns oftmals für das Günstigere, weil wir es dann sofort haben können, und verzichten freiwillig auf bessere Qualität. Nicht selten müssen wir diese Kurzschluss-Entscheidung nach kurzer Zeit bitter bereuen. Eigentlich verrückt, oder?

„Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas besseres zu bezahlen. “ (John Ruskin, 1819-1900)

Zweifelsohne ist es unschön feststellen zu müssen, dass Sie für ein Produkt zu viel bezahlt haben. Aber noch unangenehmer ist es, sich hinterher über sich selbst ärgern zu müssen, weil Sie zu knauserig waren. Wenn Sie zu viel bezahlen, geht Ihnen nur ein wenig Geld verloren – das ist aber schon alles.

Haben Sie jedoch zu wenig bezahlt, ist das Defizit in Summe am Ende meist viel größer, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe gar nicht erfüllen kann und somit wertlos für Sie ist.

Wenn Sie dazu bereit sind, ist im Endeffekt auch genügend Geld vorhanden, um für etwas Besseres gleich etwas mehr zu bezahlen. Was bedeutet diese Erkenntnis für unsere Entscheidungen, insbesondere wenn Gefühle ins Spiel kommen?

Team-Entscheidungen sind zielgerichteter

Ohne klare Zielbeschreibung sind wir im Strudel unserer Gefühle gefangen, kopflos und wie ferngesteuert – und vor allem empfänglich für Ratschläge von außen. Aber die müssen weder richtig noch zielführend und auch nicht immer gut gemeint sein oder zwangsläufig im eigenen Interesse liegen.

Um das zu erkennen und Fehlentscheidungen zu verhindern, sollten Sie vor einer Entscheidung Ihre Energie und Zeit ganz konkret und konsequent in die Zielentscheidung investieren. Und wo steht geschrieben, dass Sie das nur allein tun dürfen? In einem Team fällt das deutlich leichter.

Nehmen Sie Hilfe an, um Fehler und blutige Nasen zu vermeiden. Stellen Sie sich einen Mentor (Sparringspartner) an die Seite oder lassen Sie sich von einem Team unterstützen. Wichtig dabei ist allerdings in beiden Fällen, dass innerhalb des Teams eine konstruktive Reibung möglich ist.

Das bedeutet, dass Kritik offen angesprochen werden darf, ohne dass sich der Betroffene auf den Schlips getreten fühlt. Arbeiten mehrere Menschen an einem Ziel, müssen auch gemeinsame Entscheidungen getroffen werden. Dann geht es nicht mehr um Einzelinteressen, sondern darum, das gesteckte Ziel gemeinsam und für alle zufriedenstellend zu erreichen.

Egozentriker ziehen in so einem Umfeld den Kürzeren. Ein Team, in dem nicht offen diskutiert und kritisiert werden kann und jeder nur „sein Ding“ durchziehen will, ist kein Team, sondern ein Zusammenschluss von Menschen, in denen vor allem eines regiert: ANGST – Angst vor Kritik, Angst vor Ablehnung.

Ein Problem ist und bleibt ein Problem, was sonst?

Es ist völlig normal, dass wir in unserem Leben immer wieder auf Probleme stoßen – kleinere oder größere. Doch es gibt Menschen, die das Wort „Problem“ meiden wie der Teufel das Weihwasser. Da wird lieber von „Herausforderung“ gesprochen, weil das angeblich besser klingt.

Mag sein, aber es ändert nichts an der Tatsache, ein Problem zu haben – auch wenn es anders bezeichnet wird. Es ist doch keine Katastrophe offen auszusprechen, nicht weiterzukommen? Was meinen Sie? Oder machen Sie sich Gedanken darüber, was andere über Sie denken?

Fest steht: Es hat keinen Sinn, ein Problem einfach wegdiskutieren zu wollen. Es ist und bleibt ein Problem. Punkt. Zweifelsohne verbindet sich mit dieser Erkenntnis ein unangenehmes Gefühl. Aber in jedem Problem liegt auch die Chance, dass es sich zu etwas Positivem entwickeln kann.

Ich bin fest davon überzeugt, dass alles im Leben einen Sinn hat – auch wenn sich dieser im aktuellen Moment nicht erschließen mag und eine schmerzhafte Erfahrung mit sich bringt. Sind nach Lösung eines Problems ein paar Jahre vergangen, stellen wir im Nachhinein meist fest, dass es doch für etwas gut war: Es hat uns Lebenserfahrung und neue Erkenntnisse gebracht, die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen sind.

Der Weg des Kriegers

Der Weg von der Idee über die Umsetzung bis zum Ziel ist oft lang und steinig. Doch er beginnt immer mit dem Mut im Herzen, in sich hineinzuschauen, welche Ziele, Sehnsüchte und Wünsche in einem schlummern und ausgelebt werden wollen.

Noch mutiger ist es, sich auf den Weg zu machen, um diese Ideen zu realisieren. Selbstverständlich nicht alle gleichzeitig, aber nach und nach, Schritt für Schritt. Und der Versuch, das gesteckte Ziel zur erreichen, lohnt sich bestimmt auch ohne eine 100-prozentige Sicherheit auf Erfolg, solange Sie das wirklich wollen.

Haben wir etwas gefunden, wofür wir unser Herzblut einsetzen, sehen wir einen Sinn in unserer Tätigkeit – egal ob im Job oder privat. Begriffe wie Disziplin, Willensstärke und Durchhaltevermögen müssen nicht erst ins Bewusstsein dringen – das läuft alles automatisch, weil wir unbedingt ans Ziel kommen möchten.

Haben Sie sich dann tatsächlich auf den Weg gemacht, das Ziel zu erreichen, wird Ihre eigene Heldengeschichte geschrieben, Kapitel für Kapitel bis zum Schlusssatz. Sie sind mutig und motiviert, sich den Herausforderungen, Hindernissen und Schwierigkeiten zu stellen.

Nur eines sollten Sie nicht erwarten: Lob und Anerkennung von anderen. Das muss Ihnen auf Ihrem Weg klar sein. Sie werden es nicht erleben, dass jemand Beifall klatscht und „Hurra“ schreit. Es läuft eher in die andere Richtung.

Sie werden von Menschen umgeben sein, die Ihnen den Traum ausreden oder kleinreden wollen und es Ihnen nicht gönnen würden, wenn Sie es tatsächlich schaffen. Sie sagen Ihnen gerade heraus, dass Sie das sowieso nicht auf die Reihe kriegen, was Sie sich vorgenommen haben.

Und das wiegt oft viel schwerer, als ein Lob! Nicht selten geben viele ihren Traum (viel zu schnell) wieder auf. Und damit tun sie etwas, was andere wollen und nicht, wofür ihr Herz von Anfang an geschlagen hat. Aber wird dieser Mut im Herzen irgendwann belohnt?

Schmerz geht, Erfolg bleibt

Ich bin mir sicher, dass dem so ist. Es kann Ihnen nur niemand sagen, wann das geschehen wird. Es kann Wochen, Monate und Jahre dauern. Der Belohnung können auch mehrere Umwege und Momente des Zweifelns vorausgehen.

Vielleicht kommen Sie an den Punkt, an dem der Glaube an sich selbst und das eigene Selbstvertrauen auf eine harte Probe gestellt werden. Aber genau das ist doch die Herausforderung! Jetzt müssen Sie weiterhin mutig sein und sich für Ihr Ziel einsetzen.

Wir sind auf dieser Welt, um zu lernen, zu wachsen und um uns zu entwickeln. Das geht leider nicht immer ohne Schmerzen und Enttäuschungen. Entscheidend ist, dass sich Ihr Herz dann nicht verschließt, sondern weiterhin offen ist.

Die Welt ist voll von Menschen, die ihr Herz nicht (mehr) öffnen wollen oder können, weil sie zu oft gescheitert oder enttäuscht wurden, im Stich gelassen wurden – und oftmals auch keine Hilfe annehmen wollten. Aber glauben Sie mir: Sie müssen nicht alles alleine machen oder Probleme mit sich selbst ausfechten.

Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie in einer Sackgasse stecken oder sich nur noch im Kreis drehen, weil Sie sich an einem Problem die Zähne ausbeißen. Niemand ist allein; überwinden Sie deshalb Ihren Ego-Schmerz und Ihren falschen Stolz.

Fazit

Große Veränderungen gehen immer von Menschen aus, die ihrer Vision mit großer Leidenschaft folgten, ohne sich an ihrem Umfeld zu orientieren. Fühlt sich ein Ziel gut an, bleiben Sie unbedingt dran. Sprechen keine niederschmetternde Fakten dagegen und ist das Ziel sogar damit verbunden, das anderen Menschen geholfen wird, dann muss es einfach funktionieren! Und dann wird Mut, Herzblut und Engagement auch ganz sicher belohnt.

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Bild: ©shutterstock.com

Christoph Teege - Boxcoach

Meine Leidenschaft ist es, Menschen, Teams und Unternehmen durch Boxen zu stärken. Vorträge | Boxevents | Profil
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