Alkohol und Sport: Ein temporärer Kompromiss

„Boah, geht es mir schlecht.“ Es ist Sonntagmorgen irgendwann im Jahr 2009. Der Wecker klingelt. Obwohl ich noch sehr müde bin, stehe ich trotzdem auf. Ich habe das Gefühl, mein Kopf zerspringt gleich. Mein Trainingsplan sieht vor, dass ich heute laufen soll. Okay, Klamotten an und los geht’s! Aber von Leichtigkeit beim Laufen keine Spur. Jeder Schritt ist anstrengend, die Kopfschmerzen werden immer schlimmer. Das hat heute keinen Sinn. Ich muss umdrehen. Zuhause lege ich mich aufs Sofa und lasse den Körper erst einmal den restlichen Alkohol abbauen. Zum Glück hatte ich damals noch keine Kinder, so dass ich den ganzen Tag auf dem Sofa rumliegen konnte. Merke: Saufen und Laufen = keine gute Idee! Da muss ich mich entscheiden – das eine oder das andere …

Was den Alkohol angeht, bin ich kein Kind von Traurigkeit. Auf einem Dorf wirst du mit folgenden Glaubenssätzen groß:

  • „Wer Bier verschenkt, wird aufgehängt“,
  • „Lieber den Magen verrenken als dem Wirt was schenken“ oder auch
  • „Halb besoffen ist verschenktes Geld“.

Es gab auch jedes Wochenende mindestens einen Grund für ein Besäufnis. Entweder haben wir beim Sport einen Sieg gefeiert oder die Niederlage im Alkohol ertränkt. Und wenn es mal nicht um ein Punktspiel ging, hatte irgendjemand Geburtstag oder es war einfach nur Wochenende. Das war Legitimation genug, mehr als nur einen über den Durst zu trinken.

Jahre später habe ich damit begonnen, intensiver Sport zu treiben. Zunächst stand die systematische Vorbereitung auf den Ironman auf dem Plan, später hab ich für das Boxen trainiert. Da habe ich gemerkt, dass die Kombination aus Alkohol und Sport ab einem gewissen Punkt einfach nur kontraproduktiv ist.

Alkohol trinken macht Spaß, aber…

Es steht außer Frage: Alkohol trinken macht vielen Spaß. Man hat (kurzfristig) bessere Laune, vergisst für einen Abend die Sorgen des Alltags. Du bist lockerer, beschwingter und fühlst dich einfach glücklicher.

Wie Harald Juhnke einst gesagt hat: „Meine Definition von Glück? Keine Termine und leicht Einen sitzen haben.“ Und während ich diesen Text schreibe, denke ich unwillkürlich an diese Liedzeile „…und wir haben ein Idol….Haaaraaaaald Juhnke.“ Habe mal kurz recherchiert – das Lied wurde 1998 veröffentlicht.

Für viele Menschen ist Alkohol einfach zu einer Gewohnheit geworden. Zum Essen das eine oder andere Glas Wein, nach dem Essen für die Verdauung einen Kurzen. Und nach einem harten Arbeitstag ist das wohlverdiente Feierabend-Bierchen ganz selbstverständlich. Dazu noch ein paar andere Zahlen aus dem Jahr 2009.

Im Schnitt trinkt der Deutsche 109 Liter pro Jahr. Das sind 0,3 Liter am Tag und entspricht haargenau diesem einen Feierabend-Bierchen. So weit so gut. Ich beneidete jeden, der den Alkohol in Maßen genießen konnte. Mir gelang das nicht. Ist wahrscheinlich nur eine Übungssache.

Kommen wir zurück zum Sport. Nur mal angenommen, dass Du ein sportliches Ziel verfolgst wie z.B.:

Das ist toll! Was aber die Kombination aus Alkohol und Sport angeht, hab ich leider keine gute Nachricht für dich. Es gibt zu viele Nachteile, aufgrund derer dir der Alkohol kein idealer Begleiter sein wird.

Alkohol…

  • bremst den Fettabbau,
  • stört die Regeneration,
  • hat zu viele Kalorien (zum Vergleich: 1 Gramm Fett hat 9000 kcal, 1 Gramm Zucker hat 4000 kcal und 1 Gramm Alkohol 7000 kcal)
  • entzieht dem Körper Wasser.

Das bedeutet für dich: Nehmen beim Konsum von Alkohol Regelmäßigkeit und Menge zu, nimmt im Umkehrschluss dein Trainingsfortschritt mehr und mehr ab.

Im Extremfall kann dann Sport sogar dick machen.

Das geschieht insbesondere dann, wenn du dich nach dem Training mit zwei oder drei köstlichen Bierchen belohnst. Dann nimmst du unter dem Strich mit Sicherheit mehr Kalorien zu dir, als du beim Sport verbrannt hast. Und die ganze Mühe war umsonst. Was also tun?

Ändere deine Gewohnheiten

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht leicht ist, liebgewonnene Gewohnheiten zu ändern. Das gilt für das Rauchen genauso wie für den Alkoholkonsum. Mir ging es jedenfalls so. Es gab Momente, da musste ich mich rechtfertigen, wenn ich mal nichts trinken wollte: „Was ist denn mit dir los? Bist du krank oder was?“ „Nun komm, hab dich nicht so. Das hat dich früher doch auch nicht gestört.“

Um langwierigen und sinnlosen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, bin ich freiwillig mit dem Auto gekommen. Außerdem war es mir unangenehm, ja geradezu peinlich, zuzugeben, dass ich aufgrund eines sportlichen Ziels auf Alkohol verzichten will. Mit zunehmendem Trainingsfortschritt wuchs mein Selbstvertrauen jedoch und konnte entspannt Nein sagen.

Temporärer Kompromiss

Bei allem Ehrgeiz: Das Leben und auch der Sport sollen Spaß machen. Sport gibt dir vor allem dann den richtigen Kick, wenn du Fortschritte erzielt. Daher folgender Kompromiss als Idee:

Wenn du ein sportliches Ziel verfolgst, fahre den Alkoholkonsum in der Zeit des Trainings so weit wie möglich herunter, idealerweise ganz auf null. Je weniger du trinkst, umso besser sind deine Trainingsfortschritte. Und wenn du dann dein Ziel erreicht hast, kannst du diesen Erfolg gerne ausgelassen feiern.

Genau das haben wir auch gemacht; zum Beispiel beim Quizboxen, einer Live-Sendung in Köln. Die Kämpfe waren immer abends, die Sendungen begannen um 22.15 Uhr oder 23.15 Uhr. Und als Titelverteidiger kam ich meist erst gegen Ende dran. Das bedeutet, dass die Sendungen immer erst gegen zirka 1.00 – 1.30 Uhr nachts zu Ende waren Jeder Teilnehmer durfte einen oder zwei Begleiter mitbringen. Wir wurden dann nach der Sendung ins Hotel gefahren.

Und dort ist es dann richtig eskaliert: Wir haben die „Hotelbar leer gesoffen“ und sind am nächsten Tag völlig verkatert zur medizinischen Nachuntersuchung erschienen. Die Ärzte konnten das nachvollziehen und haben uns das als Teilnehmer nicht übel genommen.

Mein Begleiter und ich sind dann nachmittags von Köln nach Hause gefahren und haben unterwegs bei dem Fast Food-Restaurant mit dem goldenen M angehalten. War dieses Verhalten vernünftig? Nein! Waren Alkohol und Fast Food gut für die Regeneration? Auf gar keinen Fall! Wir haben es trotzdem gemacht, weil es der Seele gut getan hat.

Einen Tag später ging es wieder ins Training, und zwar mit der Null-Alkohol-Toleranz, weil der nächste Kampf bevorstand.

Fazit: Für den bewussten Konsum von Alkohol

Vergiss niemals, dass Alkohol eine Droge ist. Aus meiner Sicht darf der Umgang mit dem Alkohol nicht verharmlost werden. Wir alle sollten Alkohol (verantwortungs-) bewusst konsumieren, nicht nur im Zusammenhang mit dem Sport. Verfolgst du jedoch ein sportliches Ziel, fahre deinen Alkoholkonsum während der Trainingsphase nahezu auf null. Feiern kannst du, wenn du dein Ziel erreicht hast. Und erst dann macht es doch erst richtig Spaß!

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Foto im Artikel Alkohol: ©shutterstock / ©statista

Christoph Teege - Boxcoach

Dipl.-Ing.(FH), Autor und Boxcoach. Bekannt geworden durch die Erfolge beim Quizboxen. Das Thema lautet: Menschen, Teams und Unternehmen durch Boxen stärken. Unser Motto ist: Boxen statt Mimimi®. Weitere Blog-Artikel | Hier findest du die Antworten auf häufig gestellte Fragen.
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