Was ist beim Box-Coaching wichtiger: Das Austeilen oder das Einstecken?

Durch meine Arbeit als Speaker, Coach und Boxtrainer bekomme ich viele Fragen u.A. diese Frage: Was ist wichtiger, das Austeilen oder das Einstecken?

Zunächst einmal für alle, die neu hier auf dem Blog sind: Beim Box-Coaching geht es u.A. darum, das Thema „Ziele erreichen“ durch die Kombination aus Boxen und Coaching verständlicher und damit für jeden Einzelnen und/ oder für Teams effizienter zu machen.  Das Boxen ist die Metapher, um den Prozess zu verstehen, zu fühlen und zu erleben.

Um eine nachhaltige Verhaltensänderung zu bewirken, reicht es nicht, bestimmte Dinge rational zu verstehen. Unsere Emotionen sind der Schlüssel zum Ganzen. Denn:

Wer Menschen bewegen will, muss sie berühren.

Das können Sie bei meinem Box-Coaching ruhig wörtlich nehmen. Selbstverständlich wird niemand K.o. geschlagen oder verletzt. Das Erleben und der Transfer dieser Erfahrungen in den Alltag stehen im Vordergrund.

Die Teilnehmer beginnen zu boxen, um selbst zu erleben, was es heißt, „auszuteilen“ und „einzustecken“.

Was heißt „einstecken“?

Verteidigung ist im Boxsport ein äußerst wichtiges Element. Deshalb wird beim klassischen Boxtraining mit dem Erlernen unterschiedlicher Verteidigungsmöglichkeiten begonnen, um im Wettkampf angemessen reagieren zu können. Eine erfolgreiche Verteidigung erfordert Koordination, Timing und Konzentration.

Das sieht oftmals leichter aus, als es tatsächlich ist. Deshalb müssen Verteidigungstechnik und -taktik intensiv trainiert werden. Das bewusste Einstecken von Schlägen ist dabei immer die letzte Option. Besser ist es natürlich, erst gar nicht getroffen zu werden. Allerdings wäre es unreif zu glauben, dass der Gegner im Wettkampf nicht trifft. Umso wichtiger ist es, das „Einstecken“ zu üben.

Im Alltag haben Sie hoffentlich keinen Wettkampf mit Angriffen und Schlägen auf Körper und Kopf zu bestreiten. Ihre Rückschläge sind eher mentaler Art. Es kann also sein, dass Sie beleidigt, geärgert, enttäuscht, gekränkt, kritisiert, gestresst, gereizt oder provoziert werden.

Wie beim Boxen können Sie auf diese Rückschläge unterschiedlich reagieren.

Wozu neigen Sie?

Schlucken Sie mentale Rückschläge einfach herunter oder weichen Sie ihnen lieber aus?

Vielleicht gehen Sie sogar mit einer schlagfertigen Reaktion in die Offensive!

Nun ja, die Reaktion hängt von mehreren Faktoren ab. Deshalb ist zunächst zu klären, ob Sie sich selbst führen können, sich selbst im Griff haben, Ihre Impulse wahrnehmen können, die Techniken zur Verteidigung beherrschen, in welcher Situation Sie sich befinden und wer oder was Ihnen den Rückschlag zugefügt hat.

Nicht immer ist es clever, zurückzuschlagen oder schlagfertig zu reagieren. Manchmal ist es klüger, den Angreifer einfach stehen zu lassen und nicht auf den Angriff einzugehen.

Eine angemessene Reaktion ist fast immer auch eine Frage der Vorbereitung. Wenn Sie wissen, dass Sie stets von derselben Person in bestimmten Situationen mental angegriffen werden, ist es sinnvoll, sich bereits vorher eine angemessene Reaktion oder passende Antworten zu überlegen – oder erst gar nicht auf den „Angriff“ einzugehen. Müssen oder wollen Sie sich allerdings wehren, dann müssen Sie sich auch einmal durchsetzen, behaupten und „austeilen“.

Was bedeutet „austeilen“?

Erfahrungsgemäß fällt uns das Austeilen – also das Schlagen – im Boxtraining wesentlich leichter als das Einstecken. Es liegt in der Natur des Menschen. Schon Babys „schlagen“ um sich, um mit der Welt zu kommunizieren.

Im Boxtraining geht es darum, das „Schlagen“ zu kultivieren. Es wird vermittelt, wann und mit welcher Intensität das Schlagen erlaubt ist und wann nicht. Zu meiner Tochter sage ich immer: „Schlagen ist nur im Boxring oder zur Selbstverteidigung erlaubt.“

Im täglichen Leben können Sie das „Schlagen“ mit „kämpfen“, „proaktiv handeln“ oder auch mit „Eigeninitiative zeigen“ übersetzen. Es geht prinzipiell darum, den ersten Schritt zu gehen; auch wenn Sie nicht 100-prozentig sicher sind. Warten Sie nicht zu lange ab, sondern handeln Sie! Es geht aber ebenso darum, sich bei mentalen Angriffen angemessen zu verhalten.

Manchmal ist es im Business oder Alltag erforderlich auszuteilen, um sich selbst zu schützen. Ich denke dabei an Situationen wie diese: Der Chef stellt Sie vor dem gesamten Team bloß. Oder der Kollege unterstellt Ihnen, dass Sie zu nichts zu gebrauchen seien! Prekäre Situationen, die Sie sich nicht gefallen lassen müssen!

Haben Sie den Mut, empathisch auszuteilen und Kontra zu bieten. Allerdings sollten Sie wissen, wie Sie das erfolgreich umsetzen.

Was ist nun wichtiger: einstecken oder austeilen?

Wie bereits erwähnt, fällt es uns in der Regel leichter, auszuteilen als Kritik einzustecken oder in anderer Form angegriffen zu werden. Einen souveränen Umgang mit Rückschlägen und mentalen Angriffen müssen wir erst lernen. Deshalb ist das „Einstecken können“ sowohl beim Boxen als auch im „normalen“ Leben wichtiger.

Um sich in beiden Bereichen zu verbessern, müssen Sie nicht nur hart trainieren, sondern auch intensiv an der eigenen Persönlichkeit arbeiten.

Warum?

Ganz einfach.

Wenn Sie immer nur einstecken, trägt das nicht unbedingt zu einem gesunden Selbstbewusstsein bei, um ein erfolgreiches, erfülltes und gesundes Leben führen zu können.

Teilen Sie hingegen immer nur aus, mutieren Sie früher oder später zum unsympathischen Arschloch, mit dem Ihre Mitmenschen nichts mehr zu tun haben wollen.

Fazit

Lernen Sie einzustecken, aber lernen Sie auch angemessenes Austeilen. Beides ist eine Frage des Trainings und der persönlichen Reife. Sie müssen nicht wegen jedem kleinsten Angriff sofort in die „Luft gehen“, sich aber auch keineswegs alles gefallen lassen.

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Bilder im Artikel Gute Vorsätze umsetzen: ©privat

Christoph Teege - Boxcoach

Meine Leidenschaft ist es, Menschen, Teams und Unternehmen durch Boxen zu stärken. Vorträge | Boxevents | Profil
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