Was sollen denn die anderen denken? Gelassenheit durch Boxen lernen

Gelassenheit durch Boxen lernen.

Der Mensch verfügt über eine geniale Fähigkeit: Er kann seine eigenen Gedanken beobachten. Es gibt noch Unklarheit, wie viele Gedanken es pro Tag tatsächlich sind. Die Zahl schwankt zwischen 20.000 und 80.000. Fest steht jedoch, dass viele dieser Gedanken Bauchschmerzen bereiten oder ungute Gefühle auslösen. Das geschieht meist dann, wenn etwas Neues beginnt und der Mensch seine „Komfortzone“ verlassen möchte.

Ich kann mich sehr gut an Situationen erinnern, in denen ich gedacht habe: ‚Was sollen denn die anderen denken.‘ In dieser Situation habe ich mich nahezu jedes Jahr wiedergefunden:

  • 2010, als ich als mich zur Selbständigkeit entschieden habe.
  • 2011 habe ich den ersten Blog-Artikel geschrieben und veröffentlicht.
  • Und 2012 beim Casting zum Quizboxen und dem ersten Boxkampf und Fernsehaufritt bei TV TOTAL.
  • 2013 traf ich die Entscheidung, weiterhin selbstständig zu bleiben, obwohl mir damals nicht wirklich klar war, wohin die Reise einmal gehen wird.
  • 2014 habe ich die ersten Vorträge als Speaker gehalten und
  • 2015 brachte ich mein erstes Buch heraus, ob wohl ich nicht wusste, ob und wie es ankommen wird.

Für mich war jede einzelne Situation eine große Herausforderung, die immer auch einen Teil des Prozesses und einen Teil der Persönlichkeitsentwicklung darstellt.

Wir wachsen mit und an unseren Aufgaben – und was nicht mehr wächst, das stirbt.

In diesem Artikel möchte Ihnen näher bringen, was ich gelernt habe, um mit besonderen Situationen, Neuanfang und Veränderungen entspannter und zielgerichteter umzugehen.

„Everybodys darling is everybodys fool“

Diesen Ausspruch haben Sie bestimmt schon einmal gehört. Er bedeutet, dass wir es am Ende niemandem recht machen werden, wenn wir versuchen, es jedem Einzelnen recht zu machen. Aber die Praxis zeigt: Das funktioniert nicht –vor allem nicht bei Leistungsträgern.

Wer den Mut hat, in die Selbständigkeit zu gehen, neigt gerne dazu, einen ganzen Bauchladen, also ein breit aufgestelltes Produkt- oder Dienstleistungsportfolio, zu offerieren. Die Argumentation geht dahin, möglichst eine breite Masse anzusprechen, also „es möglichst vielen Interessenten recht zu machen.“ Da fehlt dann oft der Mut, lieber auf Spezialisierung zu setzen.

Und wie sieht es bei Ihnen, der angestellte Führungskraft, aus? Sie werden dafür bezahlt, gesteckte Unternehmensziele mit Ihrem Team zu erreichen. Ein rauer werdender Ton auf dem Weg zum Ziel ist normal! Allerdings muss darauf geachtet werden, dass es in Argumentation und Ausführung immer um das gemeinsame Ziel gehen muss, und nicht um persönliche Nicklichkeiten.

Es ist aus meiner Sicht unverzichtbar, sich ganz bewusst zurückzunehmen und Grenzen zu ziehen. Es ist wichtig, Ziele und Werte immer wieder zu reflektieren und zu hinterfragen und vor allem für sich selbst zu definieren, was persönlicher Erfolg, Macht und Karriere bedeuten.

Wenn (Ihre) Grenzen überschritten werden, sagen Sie es! Beginnen Sie, für Ihre Zukunft eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Solange sie andere körperlich, geistig oder seelisch nicht verletzen, zeigen Sie mit Ihrem eigenverantwortlichen Handeln Respekt vor den Grenzen anderer.

Sicherlich wird es einige Leute in Ihrem Umfeld geben, die Ihr Handeln nicht gutheißen; aber es werden Ihnen wiederum andere signalisieren, dass Sie Ihre Sache gut machen – und Sie eventuell dabei unterstützen. Wichtig ist zu erkennen, was Sie wollen! Trauen Sie sich, so zu sein wie sie sind und lassen Sie sich ohne Angst und Grübelei von Ihrer Intuition führen!

Was sollen denn die anderen denken? Ja, was sollen sie denn denken!

Diese Frage sollten Sie sich gar nicht stellen. Drehen Sie sie einfach um und fragen Sie sich: „Was sollen meine Mitmenschen, Kollegen von mir denken, wenn sie mir das erste Mal begegnen?

In meinen Weiterbildungen hatte und habe ich das Privileg, mit den Besten der Besten zusammenarbeiten zu dürfen. Einen Vortrag vor 500 Leuten zu halten, ist echte Handwerksarbeit und bedarf einer gehörigen Portion Fingerspitzengefühl: Einerseits möchte ich in manchen Punkten Übereinstimmung erzeugen, andererseits aber auch ein wenig provozieren. Ich locke meine Zuhörer gerne aus der Reserve und rege sie zum Nachdenken an.

Die menschliche Kommunikation mittels „Sender und Empfänger“ ist komplex. Was ich sage, muss ich mir für meine Vorträge gut überlegen. Jeder Satz, jedes Wort hat eine spezielle Wirkung auf jeden einzelnen Zuhörer! Und genau darum geht es: Was habe ich als „Sender“ gemeint und wie kommt das Gesagte beim „Empfänger“ an?

Es kommt immer wieder vor, dass wir für unser Tun kritisiert werden. Ich differenziere jedoch genau, wer was kritisiert, und vor allem wie er argumentiert.

Es gibt durchaus Leute, von denen ich keine Kritik annehme. Halten Sie mich jetzt für arrogant?

Das mag vielleicht so klingen, ist es aber nicht. Grundsätzlich habe ich gegen Kritik nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil! Sie dient dazu, Fehler aufzuzeigen, sie auszuschalten und es beim nächsten Mal besser zu machen. Damit ich mich jedoch mit Kritik an meiner Person auseinandersetze, muss der Kritikgeber genau wissen, wovon er spricht.

Im Boxsport ist Kritik an der Tagesordnung. Es wird solange an der Technik gefeilt, bis das Optimum erreicht ist. Aber auch hier stellt sich die Frage, wie Kritik angebracht wird. Es bringt keine Fortschritte, einen Anfänger permanent zu kritisieren. Das führt im schlimmsten Fall zu Demotivation und zur Aufgabe. Fortgeschrittene und Profis zu kritisieren ist hingegen äußerst sinnvoll! Nun dann kann er der Beste werden, der er sein will!

Fünf Punkte für mehr Gelassenheit

Gelassenheit #1: Raus aus dem Kopf

Gelassenheit beginnt im Kopf. Wir neigen dazu, ständig über irgendwas nachzudenken. Grundsätzlich nicht verkehrt, es stellt sich allerdings die Frage, ob wir unseren persönlichen Gedanken nachhängen oder ob wir uns das Gedankengut anderer zu eigen machen und ständig darüber sinnieren. Möglicherweise machen wir uns sogar etwas vor, das gar nicht der Realität entspricht. Da kann ein winziger Gedanke der Auslöser einer langen Gedankenkette sein.

Nehmen Sie sich ab und zu Zeit, sich mit Ihren Gedanken auseinander zu setzen. Fragen Sie sich, ob es wirklich wahr ist, was in Ihrem Kopf vor sich geht. Suchen Sie nach Beweisen und Argumente, die Ihnen die Richtigkeit Ihrer Gedankengänge bestätigen. Kommen Sie nicht weiter, hilft es, Zweifel einfach auszusprechen; so wird Ihnen die Problematik bewusster und Sie finden leichter eine Antwort auf obige Frage.

Gelassenheit #2: Emotionen zulassen

“Was sollen denn die anderen denken” ist häufig begleitet von Gefühlen wie Angst, Scham, Unzulänglichkeit. Es geht nicht darum, diese scheinbar “negativen” Gefühle zu unterdrücken; Sie müssen Sie wahrnehmen.

Fragen Sie sich, woher das Schamgefühl kommen könnte? Was denken Sie in so einem Moment? Sie werden höchstwahrscheinlich feststellen, dass Sie beginnen, Vergleiche zu ziehen. Klar ist, dass es immer Menschen geben wird, die etwas besser können als Sie. Aus dieser Erkenntnis heraus haben Sie drei Möglichkeiten:

  1. Sie können gefrustet alles hinschmeißen.
  2. Sie akzeptieren, dass sie auf dem Gebiet X nicht die Nummer 1 werden können, oder
  3. Sie greifen an und versuchen, doch die Nummer 1 zu werden.

Handeln wir gemäß Punkt 3, ist oftmals Verbissenheit im Spiel. Das darf ich nicht sein! Um in meiner Gewichtsklasse zu bleiben: Ich werde nie so gut boxen wie ein Felix Sturm oder Artur Abraham. Dafür bin ich zu alt und habe 20 Jahren zu spät mit dem Boxen angefangen. Frustrierende Erkenntnis?

In gewisser Hinsicht ist es schon schade, aber das ist doch für mich kein Grund, mit dem Boxen aufzuhören! Ich sehe das Positive darin und versuche mich weiterzuentwickeln – mit den Mitteln, die mir hierfür zur Verfügung stehen. Außerdem bin ich kein Profi-Boxer. Boxen macht mir Spaß und ist zudem Mittel zum Zweck. Mein Job ist es, meine Erkenntnisse aus dem Boxsport auf das (Wirtschafts-) Leben zu transferieren, um für eine gesunde, leistungsorientierte Kultur der Unternehmensführung beizutragen.

Gelassenheit #3: Akzeptieren Sie auch das, was Sie an sich ablehnen

Kennen Sie jemanden, der in jeder Hinsicht mit sich zufrieden ist?

Wir alle finden doch Eigenschaften und Merkmale an uns, die uns stören oder für die wir uns sogar schämen. Männer hadern mit dem im Alter eintretenden Verlust des Haupthaares. Frauen beklagen ihre Problemzonen Bauch, Beine und Po. Vielleicht ärgern Sie sich aber auch darüber, dass Sie sich zu schnell aufregen oder ungeduldig sind. Okay! Auch mir geht das so. An manchen „Macken“ können wir arbeiten, in anderen Dingen können wir einfach nicht aus unserer Haut. Na und?

Unsere Ecken und Kanten sind es doch gerade, die uns interessant und einzigartig machen. Außerdem ist 100-prozentige Perfektion schlichtweg langweilig!

Haben Sie schon festgestellt, dass gerade Menschen mit vermeintlichen Schwächen so erfolgreich sind? Ich bin der Meinung, dass alles cool ist, solange wir dazu stehen. Bekennen Sie sich ganz offen zu Ihren Träumen und Zielen.

Ein erstrebenswertes Ziel ist im Übrigen auch der innere Frieden mit sich selbst. Nehmen Sie sich so an wie Sie sind – mit allen Stärken und Schwächen. Das macht Sie authentisch, glaubwürdig – und stark! Von heute auf morgen lernen Sie das nicht. Aber Sie können hilfreiche Techniken erlernen, anwenden und sich jeden Tag ein bisschen selbstsicherer fühlen.

Gelassenheit #4: Mit Vertrauten sprechen

Es gibt Themen, die lassen sich nur im engsten Kreis besprechen; Themen, die niemanden sonst etwas angehen. Es ist schön, wenn wir solche Freunde haben, die offen und ehrlich darauf antworten, wenn wir sie fragen, wie wir auf sie wirken oder was sie an einem schätzen. Haben Sie Ihre guten Freunde einmal gefragt, was Sie aus deren Sicht gut können und was eher nicht? Möchten Sie wissen, wie andere Sie sehen?

Wenn ja, dann wagen Sie doch folgendes spannende Experiment: Stellen Sie sich einen Fragenkatalog zusammen. Wählen Sie die Fragen so, dass Sie für Bereiche Antworten erhalten, die Ihnen hinsichtlich Ihrer Wirkung auf andere besonders wichtig sind – und stellen Sie diese Fragen einem Vertrauten.

Anschließend können Sie Selbstbild und Fremdbild miteinander vergleichen und feststellen, wo es Unterschiede gibt. Das gibt Ihnen mehr Klarheit darüber, wie Sie nach außen beziehungsweise auf andere wirken. Und wenn sie vor anderen Menschen sprechen, dann habe ich noch eine Empfehlung für Sie: Andreas Bornhäußer und die SCIL- Performance Strategie.

Gelassenheit #5: Loslassen, was Sie nicht kontrollieren können

Machen Sie sich ruhig um Ihre Außenwirkung Gedanken und arbeiten Sie daran, ein Sympathieträger zu werden. Berücksichtigen Sie aber dabei, dass Ihnen das nicht zu 100 Prozent gelingen wird. Es wird immer Menschen geben, die Sie „Scheiße“ finden. Je mehr sie aus der Masse hervorstechen (wollen), umso höher der Anteil der Leute, die sie mögen und nicht mögen werden. Die sogenannten „Hater“ werden Sie im Internet beschimpfen und persönlich angreifen, obwohl sie Sie gar nicht persönlich kennen.

Lesen Sie diese Kommentare unbedingt durch und prüfen Sie, ob stimmt, was gesagt wird und ob die Kritik angebracht ist. Wenn nicht, ist es auch gut. In solchen Fällen sage ich innerlich: “Let´s agree to differ.” Jeder hat seine Meinung und es gibt nicht die eine Wahrheit. Ziel sollte es sein, durch Diskussion und Debatten eine gemeinsame Schnittmenge gefunden werden.

Fazit

Lassen Sie nicht zu, dass der Gedanke “Was sollen denn die andern denken?” Ihr Handeln blockiert. Bleiben Sie ruhig. Üben Sie sich in Gelassenheit. Dann fangen Sie an! Und lassen Sie die anderen ruhig denken, was sie wollen!

 

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Bild im Artikel “Gelassenheit”: © privat

Christoph Teege - Boxcoach

Meine Leidenschaft ist es, Menschen, Teams und Unternehmen durch Boxen zu stärken. Vorträge | Boxevents | Profil
4 Antworten
  1. Avatar
    Gohar Z. sagt:

    Hallo Herr Teege,

    Ihr Blogartikel gefällt mir ganz gut, da Sie das, was Sie dem/der Leser/in mitteilen möchten, mit Ihrem Hobby vergleichen. Ich finde das erfrischend.

    Wenn wir uns keine Gedanken darüber machen würden, was andere von uns denken, würden wir oft rücksichtslos und unbedacht handeln. Der Mensch braucht oft Grenzen bzw. Einschränkungen, die ihm das Miteinander mit den anderen erleichtern. Diese Grenzen, die wir in der Gesellschaft haben oder manchmal auch uns selbst setzen, zeugen von Respekt und Wertschätzung, zum Beispiel, gegenüber den anderen. Ich glaube, man sollte den Gedanken „Was sollen denn die anderen denken?“ nicht immer negativ konnotieren. Auf diese Frage gehen Sie in Ihrem Blogartikel natürlich von der Perspektive der Motivation im Job, zum Beispiel, heran. 🙂

    Antworten
    • Christoph Teege sagt:

      Hallo Frau Zatrjan,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Dazu ein paar Anmerkungen:
      Es ist nicht nur ein Hobby, es ist auch Beruf und hat teilweise biographische Züge.

      Ja, sicher sollte man sich auch Gedanken über seine Mitmenschen machen, allerdings nicht von Ihnen blockieren lassen. In meinen Vorträgen sage ich, dass jeder Mensch alles tun kann – solange er keinen körperlich, seelisch oder geistig verletzt!

      LG
      Christoph Teege

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      • Avatar
        Gohar Z. sagt:

        Hallo Herr Teege,

        ich stimme Ihnen auf jeden Fall zu. Wenn man zu sehr auf andere achtet, lässt man sich dazu verleiten, nach den Vorstellungen anderer zu leben. Wir müssen – wie so oft im Leben – Kompromisse finden.

        Antworten
        • Christoph Teege sagt:

          Hallo Frau Zatrjan,

          ja, das stimmt. Und es ist nicht immer leicht, allen gerecht zu werden.

          Irgendjemand ist immer enttäuscht und/oder verärgert.

          Es ist eine Frage des Selbstwerts, ob man das “aushalten” kann.

          Schönen Sonntag,

          LG
          Christoph Teege

          Antworten

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