„Sag nicht ja, wenn du nein meinst“ – 5 Tipps wie du höflich und trotzdem bestimmt nein sagst

Nein sagen lernen. Christoph Teege (2. v.r.) bei dem Pohlibri Anti-Mobbing Projekt.

„Nein sagen“ zu können halte ich für eine sehr wichtige Fähigkeit. Damit meine ich nicht nur das „Nein sagen“ im Umgang mit anderen Menschen, sondern auch im Umgang mit sich selbst. Im ersten Fall spricht man auch von Selbstbehauptung, im zweiten Fall gerne von Disziplin. In beiden Fällen geht es darum, sich nicht so leicht ablenken zu lassen und kurzfristigen Verlockungen zu widerstehen, um höhere Ziele zu erreichen.

Der Volksmund sagt: „Der Ton macht die Musik“.

Und das passt hervorragend zu meinem heutigen Thema. Wenn dich jemand im Büro höflich um etwas bittet, kannst du den Bittsteller derart anbrüllen oder anschreien, dass er es nicht wagen wird, einen weiteren Versuch zu unternehmen. „Neeeeeiiiiiinnnnnnn!!!! Ich mache das nicht!“. Hmm…, für den Alltag im Büro sicher unpassend, kann diese Reaktion in einem anderen Kontext genau die richtige Lösung sein.

Ein gutes Beispiel hierfür sind unsere Anti-Mobbing-Projekte. Da ist auch bei einem der letzen Projekte das Titelbild entstanden. Hier gibt es aktuelle Zahlen dazu. Wir gehen die verschiedenen Phasen des Mobbings durch und trainieren selbstverständlich auch den Ernstfall, also die körperliche Tätlichkeit, den Angriff.

Allerdings muss es gar nicht so weit kommen, wenn der Mobber / Angreifer rechtzeitig mit Worten in die Flucht geschlagen wird. Schüchtern, zaghaft und mit „piepsiger“ Stimme zu reagieren wie „Also, lieber Angreifer, ähm, es wäre total nett, wenn Sie mich jetzt in Ruhe lassen würden“, wird nicht den gewünschten Effekt erzielen. Hier kann nur beherztes Anschreien helfen!

Sicherlich sind diese zwei Beispiele extrem. Aber sie verdeutlichen eindrucksvoll, dass das „Nein sagen“ sehr vielschichtig ist und seine Wirkung immer kontextbezogen erzielen muss. Bleiben wir für den folgenden Artikel im Büro und im normalen Business-Alltag. Hier hast du hoffentlich keine körperlichen Angriffe zu befürchten.

5 Tipps, um im Business-Alltag nein zu sagen

Tipp #1: Auf Zeit spielen

Manchmal kommt ein Kollege mit einer Bitte, Aufgabe oder etwas Anderen um die Ecke und macht (Zeit-) Druck, weil er dich überrumpeln und / oder einschüchtern will. Auch wenn es schwerfällt: Unterdrücke bitte den Reflex einer sofortigen Zusage. Spiele stattdessen auf Zeit und bitte um Bedenkzeit.

Sag einfach, dass du für eine gewisse Zeit (fünf Minuten, 30 Minuten, einen Tag) darüber nachdenken möchtest. Und sage dem Antragsteller, dass du dich danach sofort bei ihm melden wirst. Die meisten Menschen haben dafür Verständnis. Aber übertreibe mit der Forderung nach Bedenkzeit nicht und melde dich wirklich gleich nach deren Ablauf.

Tipp #2: Sich selbst hinterfragen, warum das Nein sagen schwer fällt

Langfristig ist es sinnvoll, grundsätzlich zu hinterfragen, warum dir das „Nein sagen“ so schwerfällt. Vermutlich ist es bei den meisten Menschen nur eine Angewohnheit. Hat ein Kind früher nicht zu allem gleich Ja gesagt, galt es als „rebellisch“.

Rebellen waren für die beteiligten Personen anstrengend, dem „ungehorsamen“ Kind drohten Aufmerksamkeits- und Liebesentzug. Ein Kind konnte damit noch nicht umgehen und hat sich lieber angepasst.

Es könnte aber auch Angst dahinter stecken: Angst davor, anzuecken oder (negativ) aufzufallen! In der Angst vor Ablehnung, etwas zu verpassen oder jemanden zu verletzen könnte ebenfalls die Ursache dafür liegen, ein notorischer Ja-Sager zu sein.

Über diese Art der Angst in ihren vielen Facetten und wie du ihr begegnen kannst, habe ich hier schon einmal geschrieben.

Tipp #3: Konsequenzen bewusst machen

Wenn du Tipp #1 beherzigt, gewinnst du etwas Zeit, um über deine Entscheidung nachzudenken. Was passiert, wenn du Ja sagst? Und was passiert, wenn du Nein sagst? Es lohnt aber auch darüber nachzudenken, welche Konsequenz es hätte, gar keine Entscheidung zu treffen (obwohl das streng genommen auch eine Entscheidung ist).

Frei nach Paul Watzlawick: „Du kannst nicht nicht entscheiden.“

Egal, wie du es drehst oder wendest: Es ist wichtig, eine Entscheidung zu treffen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Fest steht auch, dass Entscheidungen immer Konsequenzen haben.

Ob positiv oder negativ, lässt sich nicht vorhersagen, höchstens erahnen. Du weißt nicht, wie eine Person reagiert, wenn du ihr deine Entscheidung mitteilst. Insofern musst du auch keine Angst davor haben, Entscheidungen zu treffen. Wie du lernst, mit den Konsequenzen deiner Entscheidung(en) umzugehen, liest du im nächsten Tipp.

Tipp #4: Nein sagen ist OK

Du wirst nicht gleich zum herzlosen Egoisten, wenn du nicht sofort zu Allem Ja sagst, sondern mit einem höflichen, aber bestimmten Nein auch mal eine Bitte abschlägst. Der Ton macht ja die Musik.

Überlege mal, was die meisten Menschen über Menschen denken, die nicht Nein sagen können. Wahrscheinlich denken und sagen sie solche Sätze: „Frag doch Herrn / Frau Meyer… mit ihm/ihr kannst du es machen. Da kommt keine Gegenwehr.“ Oder sie denken sich: „Weichei“ oder „Der / die traut sich sowieso nicht, Kontra zu geben“.

Nein sagen zu können signalisiert Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, ja du bist dir deines eigenen Selbstwertgefühls bewusst. Und so ganz nebenbei ist es dein gutes Recht, auch Nein zu sagen.

Tipp #5: Biete Teil-Lösungen an

Unser Motto ist „Boxen statt Mimimi“. Das bedeutet, den Fokus auf Lösungen zu richten. Lehne also nicht gleich ab, sondern biete dem Bittsteller Teillösungen an.

Du könntest beispielsweise sagen: „Nein, tut mir leid. Das kann nicht komplett übernehmen. Aber ich könnte dir beim Thema XYZ weiterhelfen.“ Oder: „Ich habe (heute Nachmittag, morgen, am Freitag) 30 Minuten (zwei Stunden, den ganzen Tag) Kapazitäten frei. In dieser Zeit könnte ich dich unterstützen.“

Alternativ könntest du den Bittsteller an einen Kollegen verweisen. Vergewissere dich jedoch vorher, ob der Kollege/die Kollegin überhaupt Kapazitäten und Ressourcen hat. Dann könntest du sagen: „Nein. Tut mir leid. Da kann ich dir nicht weiterhelfen. Aber frage doch mal Herrn/Frau Müller.“

Fazit

Boxen verhilft dir nicht nur zu mehr Fitness, sondern auch zu mehr Selbstvertrauen und erleichtert dir das Nein sagen im Umgang mit anderen und mit dir selbst. Entschließt du dich zu einem Nein, hast du dir eine persönliche Grenze bewusst gemacht. Sprichst du das Nein dann tatsächlich aus, stehst du auch dahinter, hast diese Grenze akzeptiert und zeigst sie in diesem Moment auch deinem Gegenüber auf. Und das wird mit Sicherheit nur zu deinem Vorteil sein.

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Bild im Artikel nein sagen: ©privat

Christoph Teege - Boxcoach

Dipl.-Ing.(FH), Autor und Boxcoach. Bekannt geworden durch die Erfolge beim Quizboxen. Das Thema ist: Menschen, Teams und Unternehmen durch Boxen stärken. Das Motto lautet: Boxen statt Mimimi®. Neu hier? | Weitere Blog-Artikel | Virtuelle Boxevents für Unternehmen | Fitness-Boxen Online-Training
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